Theater WIR

(VHS-Theatergruppe WIR)


 
Theater WIR

Der gestiefelte Kater

Oder

Wie WIR das Spiel spiel(t)en

Ein (Kinder)märchen in drei Akten, mit Zwischenspielen, einem Prologe und Epiloge
Frei nach Ludwig Tieck

    Stadttheater Ratingen
    Freitag, 9. Juni 2017, 19:30 Uhr
    Dienstag, 13. Juni 2017, 19:30 Uhr
    Mittwoch 14. Juni 2017, 19:30 Uhr
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Ratinger Wochenblatt 1.06.2017

Ratinger Wochenblatt 14.6.2017
Programm
       

In eigener Sache …

23. März 1977, 19.30 Uhr. Im vollbesetzten Ratinger Stadttheater öffnet sich der Vorhang für Jean Anouilhs Drama „Jeanne oder die Lerche“. Drei Stunden später kann ein Experiment als geglückt betrachtet werden, dessen Auswirkungen keiner der damals beteiligten in dieser Form vorausgeahnt hatte: Es war der Grundstein gelegt für eine Laienspielgruppe, die in den 40 Jahren bis heute 70 eigene Inszenierungen produziert hat. Mit dem Ratinger Weihnachtsmärchen, veranstaltet vom City-Kauf, produziert sie regelmäßig eine der publikumsstärksten Kulturveranstaltungen der Dumeklemmerstadt.

Vieles hat sich seit 1977 geändert, doch die Theatergruppe WIR, wie sie sich seit 1978 nannte und die heute als Theater WIR – Theatergruppe der VHS Ratingen - firmiert, ist in wesentlichen Elementen die gleiche geblieben: Hier kommen Menschen unterschiedlichsten Alters aus verschiedenen Berufen zusammen, um in ihrer Freizeit Theater zu spielen. Mit viel Engagement, unendlich viel Spaß aber auch mit großer Ernsthaftigkeit und Respekt gegenüber den literarischen Vorlagen. Bühnenbild, Kostüme, Plakate, Programmhefte – alles wird weitgehend in Eigenarbeit organisiert.

Anlässlich unserer heutigen Jubiläumsaufführungen sagen WIR Danke! Allen den unzähligen Menschen in der VHS, der Stadtverwaltung, dem City-Kauf, den städtischen Gymnasien und den Familienmitgliedern und Freunden unserer Darsteller – Sie alle haben mit dazu beigetragen, dass WIR über all die Jahrzehnte wachsen und gedeihen konnte.

In unserer heutigen Aufführung lassen WIR uns ein ganz klein wenig selbst hochleben: Wir haben Hinweise auf zahlreiche von uns gespielte Stücke eingebaut. Treue Besucher unserer Aufführungen werden so den einen oder anderen „alten Bekannten“ wieder treffen können.
 

Der gestiefelte Kater
Oder
Wie WIR das Spiel spiel(t)en
Ein (Kinder)märchen in drei Akten, mit Zwischenspielen, einem Prologe und Epiloge
Frei nach Ludwig Tieck
Der König
Die Prinzessin, seine Tochter
Leander, Hofgelehrter
Hanswurst, Hofnarr
Gottlieb,
Hinze, ein Kater
Die Dichterin
Prinz Nathanael
Lorenz
Er (Lysander), Gesetz (Popanz)
Barthel, Ein Kammerdiener, Husar
Sie (Hermia), Köchin, Dramaturgin
Eine Wirtin
Beleuchter, Schuhmacher, Soldat
Husar, Besänftiger, Historiograph, Bäuerin
Bauer
Souffleuse
Frau Fischer
Herr Müller
Frau Müller
Herr Schlosser
Herr Bötticher (Kritiker)
Frau Leutner
Frau Wiesener
Herr Blümel, Zeitungsverkäufer
Regie und Bühnenbild
Kostüme
  
Ton
Video
  
Bühnenmeister
Beleuchtung
Ansgar van Treeck
Shari van Treeck
Inge Gellissen
Reinhard Gellissen
Hans-Jürgen Neumann
Annette Perschau
Birgit Olligs
Franz Schroers
Reinhard Gellissen
Thomas Uhr
Laura Jäger
Carmen Metje
Melita Kaulertz
Gabriela Dylus
Inga Hannes
Jens D. Billerbeck
Kerstin Freund
Julia van der Burgt
Henning Hallmann
Hiltrud Köhne
Christoph Wieland
Michael Schweiger
Hanni Poguntke
Saskia Weilandt
Herribert Börnichen
Jens D. Billerbeck
Carmen Metje,
Kerstin Freund
Guido H. Bruck
Tom Kubik,
Thomas Joppich
Christian Dumjahn
Jonas Grimberg
Beginn: 19:30 – Pause gegen 20:40 – Ende gegen 22:00

Theater WIR ist eine Theatergruppe der VHS Ratingen

Zum Stück
„Ein Kindermärchen in drei Akten mit Zwischenspielen, einem Prologe und Epiloge“ so nennt Ludwig Tieck sein 1797 entstandenes Theaterstück und seitdem rätselt die Nachwelt, um was es sich dabei wohl handeln mag. Denn es sind verschiedene Ebenen des Spiels und der Verfremdung, die sich hier vielfältig verschränken.

Da ist zunächst das Kindermärchen vom gestiefelten Kater, das eine junge Dichterin auf der Theaterbühne präsentiert. Nur acht Jahre nach Beginn der französischen Revolution hat dieses Kindermärchen natürlich auch revolutionäres Potenzial: Einerseits kommt der König in dem Stück nicht besonders gut weg und die Tatsache, dass ein pfiffiger Kater einem Bauernburschen zu Thron, Krone und Prinzessin verhilft, hat es natürlich auch in sich.

Dann finden sich in diesem Märchenspiel Szenen, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben. Sie beleuchten Höhen und Tiefen menschlicher Beziehungen oder zeigen mit kritischem Blick auf die (damalige) deutsche Kleinstaaterei.

Als zweite Ebene findet sich im Theater ein beflissenes (Bildungs-) bürgerliches Publikum, das gar nicht amüsiert ist, jetzt ein Märchen vorgesetzt zu bekommen. Einige ärgern sich, einige begrüßen das revolutionäre Potenzial des Märchens, andere ergehen sich in endlosen Betrachtungen über die Darstellerin des Katers.

Und jetzt tritt auch noch die Dichterin mitsamt einigem Theaterpersonal leibhaftig vor ihr Publikum und beginnt das Stück zu rechtfertigen. Leute also, die normalerweise nicht auf der Bühne stehen sondern nur mittelbar mit dem Publikum kommunizieren.

Das Alles bleibt natürlich für das eigentliche Stück nicht folgenlos: Es häufen sich die Pannen, mehrfach droht die Aufführung zu scheitern und Gelegentlich fallen auch die Darsteller solcherart irritiert aus ihren Rollen.

Tieck bricht hier gleich mit mehreren bis dato ehernen Gesetzen des Theaters: Bühnenhandlung und Rezipienten sind durch die unsichtbare „vierte Wand“ der Bühne voneinander getrennt. Kommunikation außerhalb des vorgegebenen Textes und der Bühnenaktion findet nicht statt. Die Zuschauer sind während der Aufführung reine Konsumenten, eine direkte Kommunikation der dargestellten Figuren mit ihnen findet nur einseitig, eine Kommunikation des Darstellers hinter der Rolle mit dem Publikum findet gar nicht statt.

Diese Regeln beständig zu brechen, macht das Stück so modern. Die Zeitgenossen des Jahres 1797 standen vermutlich etwas fassungslos vor dem Tieckschen Werk. Eine Uraufführung ließ dann auch bis 1840 auf sich warten.

1964 nahm sich der damals 39jährige Schriftsteller Tankred Dorst Tiecks Stück vor und arbeitete es um. Unter dem Titel „Der Kater oder wie man das Spiel spielt“ erlebte es 1964 unter Hans Lietzau am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg seine Uraufführung. Diese Fassung des Stoffes haben auch WIR in den vergangenen Jahren zweimal gespielt: 1982 und 1998.

Jetzt haben wir uns dem Original zugewandt und uns gleichermaßen an eine Bearbeitung gewagt, die sich vor allem auf die sprachliche Umgestaltung der Zuschauerszenen konzentrierte. Das Märchenspiel wurde, wie auch bei Dorst, lediglich gestrafft, aber sprachlich weitgehend unangetastet gelassen. In dankbarem Respekt vor der Dorst-Fassung haben wir unserer Bearbeitung den Untertitel „oder wie WIR das Spiel spiel(t)en“ gegeben.

Damit haben wir uns die Freiheit genommen, Zitate und Stücktitel aus unserer 40jährigen Geschichte an passender (und manchmal auch unpassender) Stelle einzubauen. Lassen Sie sich überraschen. Das Ganze ist ein Spaß, wenn auch manchmal ein hintergründiger.

In Memoriam Tankred Dorst (1925 – 2017)
Wie Tankred Dorst und Ludwig Tiecks „gestiefelter Kater“ zusammenhängen, wurde ja schon berichtet. Die Nachricht seines Todes kam vor wenigen Tagen mitten in den Endproben unserer heutigen Produktion, die ohne den Einfluss Tankred Dorsts nie entstanden wäre.

Als wir Ende 1981 mit den Proben zum Dorstschen Kater begannen, war gerade die viel beachtete Uraufführung seines wohl wichtigsten Werkes in Düsseldorf über die Bühne gegangen. Mit „Merlin oder das wüste Land“ hatte sich Dorst an die Spitze der deutschsprachigen Bühnenautoren katapultiert. Von da an stand dieser Merlin auf unserer Wunschliste potenziell zu spielender Stücke ganz oben.

1998 haben wir uns dann allerdings erstmal den Kater wieder vorgenommen und erneut auf die Bühne des Stadttheaters gebracht. Doch der Merlin ließ uns nicht ruhen. Vor zehn Jahren, zu unserem 30. Jubiläum haben wir ihn – auf immer noch stattliche dreieinhalb Stunden gekürzt – hier im Stadttheater präsentiert. Es war mit Sicherheit eine unserer aufwändigsten Produktionen überhaupt.

Drei Begegnungen mit dem Dramatiker und unsere heutige Produktion, die auf sein Vorbild zurückgeht: WIR haben also allen Grund des Menschen und Dramatikers Tankred Dorst mit dieser heutigen Aufführung zu gedenken.
 


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ã 2017 by VHS-Theatergruppe WIR, Aufführungsfotos: van Treeck