Theater WIR

(VHS-Theatergruppe WIR)
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Ödön von Horváth
Geschichten aus dem Wiener Wald
Volksstück in drei Teilen
12. 5., 16. 5. und 18.5.2006
19:30 Uhr
Stadttheater Ratingen



Ankündigungen
 

Ratinger Wochenblatt 11.5.2006

Ratinger Wochenblatt 18.5.2006

Plakat

Programm



 
 
Geschichten aus dem Wienerwald
Volksstück in drei Teilen
von Ödön von Horvath
Alfred
Die Mutter
Die Großmutter 
Der Hierlinger Ferdinand
Valerie 
Oskar
Ida
Havlitschek
Frau Rittmeister
Eine gnädige Frau
Marianne
Zauberkönig
Zwei Tanten

Erich
Emma
Dienstbotin
Helene
Baronin 
Beichtvater
Der Mister
Der Conferencier
Drei Tänzerinnen
 
 

Regie
Bühnenbild
 Ausführung
Technik
Souffleuse
Kostüme

Bühnenmeister 
Beleuchtung

Ansgar van Treeck
Carmen Metje
Julia van der Burgt
Herribert Börnichen
Anke Haupt
Henning Hallmann
Coline van Treeck
Thomas Joppich
Birgit Olligs
Daniela Krüll
Annette Perschau
Thomas Uhr
Hiltrud Köhne
Inge Gellissen
Nicole Theyssen
Hanni Poguntke
Inge Gellissen
Shari van Treeck
Daniela Krüll
Franz Schroers
Franz Schroers
Jens D. Billerbeck
Janine Haupt
Mette Jacobs
Shari van Treeck

Jens D. Billerbeck
Jens D. Billerbeck
Theater WIR
Guido H. Bruck
Kerstin Freund
Carmen Metje

Werner Schaaf
Wolfgang Hieb

In eigener Sache…

Diesmal haben wir Sie ungewöhnlich früh im Jahr zu unserem Sommerstück eingeladen. Zum einen, weil die Sommerferien dieses Jahr wieder früher beginnen, zum anderen steht Deutschland ja ab dem 9. Juni komplett im Zeichen des Fußballs.
Nach einigen Jahren mit recht heiterer Kost, steht diesmal wieder ein ernsteres Stück auf dem Programm. Ging es z.B. im „Schweinehirten“ im vergangenen Jahr eher um Überzeichnung, Groteske und das Auskosten komischer Situationen, steht in unserer diesjährigen Produktion wieder mehr die Gestaltung einzelner Charaktere, von Menschen aus Fleisch und Blut im Vordergrund.
Und so haben wir – aufgrund des bereits erwähnten frühen Aufführungstermins – eine kurze, aber sehr intensive Probenzeit hinter uns.
Wir hoffen, dass Ihnen das Ergebnis gefällt!
 

Zum Stück

Ödön von Horvath bezeichnet „Geschichten aus dem Wienerwald“ als Volksstück und nimmt damit bewusst ein Missverständnis in Kauf: Denn keinesfalls hat er einen Schwank à la Komödienstadel im Sinn. Nein, es geht ihm wirklich um das Volk, um die kleinen Leute in Wien Anfang der 30er Jahre. Er zeichnet sie mit allen ihren großen und kleinen Macken und stellt dar, wie in Zeiten wirtschaftlicher Not auch zwischenmenschliche Beziehungen leiden müssen.
Der Aufbau dieses „Volksstückes in drei Bildern“ ist genial konstruiert: Es kontrastieren stets Szenen, die in der Natur spielen (Wachau, Wienerwald), mit solchen in der „stillen Straße im 8. Bezirk“ oder in ganz wenigen Innenräumen. Dabei ist die Szenenfolge fast symmetrisch aufgebaut.
Damit hat Horvath rein formal schon einen ersten Entwurf des Stückes als „Volksstück in sieben Szenen“ nicht nur um wichtige Details erweitert, er hat auch die Charakterentwicklung der handelnden Figuren in der neuen, formal ausgewogenen Struktur gespiegelt.
Denn am Ende des Stückes sind alle handelnden Personen praktisch genau wieder an jenem Punkt angekommen, an dem sie begonnen haben. Selbst das Kind, das im Verlauf der rund ein Jahr dauernden Handlung geboren wird, stirbt durch Verschulden der Großmutter.
Suggerieren also Titel und die vielfach verwendeten Strauß-Walzer eher eine Operetten-Welt mit Kitsch und Herzschmerz, zeigt der Autor hingegen eine reale, fast trostlos brutale Welt, aus der es für die Figuren kein Entrinnen gibt.
Am Beginn und am Ende steht der Titelgebende Walzer von Johann Strauß, aber selbst die Musik hat keine Antwort darauf, ob sich am Ende für Oskar und Marianne eine positive Utopie abzeichnet. Jenes Paar, das schon am Anfang kurz vor seiner Verlobung stand, steht im Mittelpunkt: Marianne bricht aus, verlässt Oskar am Verlobungsabend und zieht mit dem Halodri Alfred zusammen. Das Familienleben mit Kind und in wirtschaftlicher Not, lässt die Beziehung zerbrechen. Alfreds vorherige Liebschaft Valerie tröstet sich derweil mit dem deutschen Studenten Erich (der Verkörperung des heraufziehenden Nazi-Reichs). Jeder versucht ein Stückchen Glück im Chaos zu finden. Am Ende ist Erich wieder in Deutschland, Valerie wieder mit Alfred zusammen und Oskar hält sein Versprechen an Marianne: „Du wirst meiner Liebe nicht entkommen.“ – Fast eine Drohung.
Nach der Uraufführung 1931 im Deutschen Theater Berlin (Regie: Heinz Hilpert) waren selbst renommierte Kritiker irritiert: Herbert Ihering warf dem Autor sein „Kalenderdeutsch“ vor und schrieb: „Eine Operettenwelt verträgt keinen Kindermord. Eine Kitschwelt verträgt nicht eine Auflehnung gegen Gott und die Kirche.“ Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde das entlarvende der Sprache verstanden. Die Wiederentdeckung des schwarzen Humors tat laut Georg Hensel ein übriges, denn nun ist es fast ein Allgemeingut geworden, dass ein Kindermord nirgendwo grauenhafter ist, als in einer Kitschwelt und eine Auflehnung gegen Gott und die Kirche nirgendwo verzweifelter und niederschmetternder als in einer Kitschwelt, da sie doch nichts anderes als die schiere Harmonie verspricht.
An Aktualität hat das Stück trotz recht konkreter Zeitbezüge (dem Ende der „goldenen Zwanziger“ und dem heraufdämmern der Nazi-Diktatur) an nichts eingebüßt, denn die geschilderten menschlichen Verhaltensweisen sind zeitlos. Kein Wunder also, dass „Geschichten aus dem Wienerwald“ landauf landab zu den meistgespielten Werken Horvaths gehört. Erst im Januar diesen Jahres hatte es z.B. in Basel Premiere.

Jens D. Billerbeck
 
 

Kritiken
 
 

Rheinische Post, Lokalteil Ratingen, 15.5.2006

Bilder von Aufführungen



ã 2006 by VHS-Theatergruppe WIR, Fotos:  van Treeck, Billerbeck, Bruck