Theater WIR

(VHS-Theatergruppe WIR)


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Johann Nestroy
Zu ebener Erde und erster Stock
oder
Die Launen des Glückes
Posse in drei Aufzügen
18.6.2004, 22.6.2004, 24.6.2004
jeweils 20:00 Uhr
Stadttheater Ratingen




Ankündigungen
 

Ratinger Wochenblatt 9.6.2004

Ratinger Wochenblatt 17.6.2004

Ratinger Wochenblatt 24.6.2004

Plakat

Programm
In eigener Sache...

Im vergangenen Jahr brachten wir Shakespeares Mittsommernachtstraum auf die Bühne des Stadttheaters, eine Komödie, die mit den dunklen Seiten der menschlichen Natur spielt und alles Zeug zur Tragödie hätte, würde nicht der Autor am Ende alles zum Guten wenden. Ähnlich verhält es sich mit dem Stück, dass wir uns für dieses Jahr ausgesucht haben: Nestroys Posse „Zu ebener Erde und erster Stock“ ist ein unterhaltsamer, wenn auch eher spöttischer Blick auf Menschen in unterschiedlichen sozialen Situationen.
Für uns war es vor allem reizvoll, die vom Autor konstruierte Parallelhandlung aus oben und unten darzustellen. Das brachte auch wegen der großen Zahl handelnder Personen ganz neue Herausforderungen für die Probenarbeit mit sich. Denn kaum eine Szene lässt sich hier heraus brechen und einzeln erarbeiten. Immer fungiert die andere Ebene als Stichwortgeber oder bestimmt das Tempo der Handlung. Das Stück muss also weniger wie ein Schauspiel inszeniert werden – wo ja Regisseur und Schauspieler alle Freiheiten bei der Wahl des Tempos haben – sondern vielmehr wie eine Oper. Gibt dort die Musik den Rhythmus der Handlung vor, ist es hier die jeweilige Parallelhandlung, die zeitlich enge Grenzen setzt.
Das war neu und aufregend. Und wir hoffen natürlich, dass das Ergebnis überzeugen wird. Zwei Freiheiten haben wir uns im übrigen bei der Bearbeitung genommen: Nestroys Lieder – er schrieb seine Possen stets mit Gesang – wurden in die Sprechtexte eingearbeitet. Und den originalen Wiener Dialekt haben wir ins Hochdeutsche „übersetzt“. Denn fremde Dialekte gekonnt zu sprechen, ohne dass es ins Lächerliche abgleitet, ist extrem schwer, die Gefahr, dass Dinge nicht verstanden werden, ebenso groß.

Oben und unten...

Eine herrschaftliche Wohnung im ersten Stock. Dort leben die Millionärin Frau v. Goldfuchs und ihre Tochter Emilie mitsamt fünf dienstbaren Geistern. Unten im Erdgeschoss logiert der Trödler Schlucker mitsamt Frau, vier Kindern und zwei Verwandten. Oben wird geprasst, werden Gäste bewirtet, unten ist man schon zufrieden, wenn man abends etwas zu essen hat. Ein Faden ist die einzige Verbindung zwischen oben und unten. Er transportiert Liebesbotschaften durch das Fenster: Von der Tochter der Millionären zum Sohn des Trödlers und zurück. Kann die unmögliche Liebe gelingen?
Das ist die Ausgangssituation in Nestroys Posse „Zu ebener Erde und erster Stock“. Standes- und Klassenunterschiede im Wien des Jahres 1835 sind sein Material. Er macht daraus ein Stück, dass in seiner gesamten Konstruktion sehr modern ist: Oben und unten werden nämlich in parallelen Handlungen auf ein und dieselbe Bühne gebracht. So kann der Autor zuspitzen: Oben wird Champagner serviert, unten Brunnenwasser.
Doch plötzlich – das Stück heißt mit zweitem Titel „Die Launen des Glücks“ – erscheint das Glück, die Göttin Fortuna, in so bodenständigen Erscheinungen wie der eines Sekretärs oder eines Gerichtsdieners. Und die ganze scheinbar geordnete Welt aus oben und unten, arm und reich, gerät ins Wanken.
Daran lässt uns Nestroy teilhaben. Er konstruiert eine Doppelhandlung, die geradezu virtuos ineinander verwoben ist. Im Kontrast von oben und unten wird der soziale Gegensatz verschärft, in parallel ablaufenden Handlungen zeigt sich, dass der Mensch – ob arm ob reich – stets käuflich und auf seinen Profit bedacht ist. Geradezu genial: Wenn unten durch Hilfestellung des Stubenmädchens die Liebenden endlich zueinander finden, wird oben Karten gespielt. Herz ist Trumpf – und auch die Liebe wohl letztlich nur ein Spiel?
Nestroy stellt zwar am Ende seines Stückes die bestehenden Verhältnisse, das „Oben und Unten“ auf den Kopf, doch mit diesem fiktiven „Happy-End“, das nur durch unglaublichen Zufall und unwahrscheinliche Schicksalsschläge möglich wird, macht er zugleich deutlich, dass der Rollentausch der handelnden Personen an der Grundstruktur gesellschaftlichen Ungleichgewichts nichts zu ändern vermag. Wieder logieren diejenigen, die es sich leisten können, oben, die anderen unten.
Rund 170 Jahre haben diesem zwischen liebevoller Ironie und bitterer Satire schwankenden Stück nichts anhaben können. So lange es auf der Welt Unterschiede zwischen Arm und Reich geben wird, bleibt Nestroys Analyse zutreffend: "Das Glück ist kugelrund“ – es kann sich also schon morgen weiter drehen und die eben noch Glücklichen überrollen.

Jens D. Billerbeck
 
Zu ebener Erde und erster Stock 
oder
Die Launen des Glücks
Posse von Johann Nestroy
Frau von Goldfuchs, Spekulantin und Millionärin
Emilie, ihre Tochter
Johann, Bedienter im Goldfuchs'schen Hause
Fanny, Kammermädchen im Goldfuchs'schen Hause
Friederike und
Antonia, Bediente im Goldfuchs'schen Hause
Schlucker, ein armer Trödler
Frau Sepherl, sein Weib
Seine Kinder:
Adolf, Tagschreiber bei einem Notar
Christina,
Nettel,
Seppel
Damian Stutzel, Frau Sepherls Bruder
Marie, eine entfernte Anverwandte Schluckers
Georg Michael Zins, ein Hausherr
Monsieur Bonbon
Fortuna in drei Erscheinungen:
(Sekretär Wilm, Herr Wermuth, Gerichtsdiener)
Kürbiskern, Lebensmittelhändlerin
Speck, Metzger
Meridon, erster Koch im Goldfuchs'schen Hause
Aspik, zweiter Koch im Goldfuchs'schen Hause
Herr von Steinfels
Herr von Wachsweich
Dessen Frau
Grob und
Trumpf, Trödler

Regie
Bühnenbild
Technik
Ton
Souffleuse
Bühnenmeister
Beleuchtung 

Anke Haupt
Hanni Poguntke
Thomas Joppich
Annette Perschau
Melita Kaulertz
Inge Gellissen
Ansgar van Treeck
Birgit Olligs

Sascha Tuxhorn
Shari van Treeck
Coline van Treeck
Taddäus van Treeck
Franz Schroers
Nicole Theyssen
Henning Hallmann
Herribert Börnichen

Hiltrud Köhne
Daniela Krüll
Jens D. Billerbeck
Daniela Krüll
Jens D. Billerbeck
Thomas Uhr
Jens D. Billerbeck
Claudia Freund
Daniela Krüll
Jens D. Billerbeck

Jens D. Billerbeck
Theater WIR
Thomas Kubik
Guido H. Bruck
Kerstin Freund
Werner Schaaf
Wolfgang Hieb

Kritiken
 

Westdeutsche Zeitung, Lokalteil Ratingen, 21.6.2004

Rheinische Post, Lokalteil Ratingen, 25.6.2004

Bilder von Aufführungen

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ã 2004 by VHS-Theatergruppe WIR, Fotos:  van Treeck, Billerbeck, Bruck