Theater WIR

(VHS-Theatergruppe WIR)


Ankündigungen
Programm
Kritiken
Fotos von Aufführungen
Jean Giraudoux
Undine
Schauspiel in drei Akten
12. Juni 2002, 19:30 Uhr
14.Juni 2002, 19:30 Uhr
15. Juni 2002, 19:00 Uhr
Stadttheater Ratingen
Eintritt frei

 
Die Stadt Ratingen verleiht Theater WIR für "Undine"
den Förderpreis für Laientheatergruppen 2002
Rheinische Post, Lokalteil Ratingen, 17.12.2002



Ankündigungen
 
 
Ratinger Wochenblatt 6.6.2002
 Süddeutsche Zeitung 12.6.02
Plakat

Programm


In eigener Sache....

23. März 1977, 19.30 Uhr. Im vollbesetzten Ratinger Stadttheater öffnet sich der Vorhang für Jean Anouilhs Drama „Jeanne oder die Lerche“. Drei Stunden später kann ein Experiment als geglückt betrachtet werden, dessen Auswirkungen keiner der damals Beteiligten in dieser Form vorausgeahnt hatte: Es war der Grundstein gelegt für eine Laienspielgruppe, die in den 25 Jahren bis heute 38 eigene Inszenierungen produziert hat, die diese in weit über 120 Aufführungen in Ratingen und Umgebung präsentierte und die zumindest mit dem Ratinger Weihnachtsmärchen regelmäßig die publikumsstärkste Kulturveranstaltung der Dumeklemmerstadt präsentiert.
Vieles hat sich seit 1977 geändert, doch die Theatergruppe WIR, wie sie sich seit 1978 nannte und die heute als Theater WIR – Theatergruppe der VHS Ratingen - firmiert, ist in wesentlichen Elementen die gleiche geblieben: Hier kommen Menschen unterschiedlichsten Alters aus verschiedenen Berufen zusammen, um in ihrer Freizeit Theater zu spielen. Mit viel Engagement, unendlich viel Spaß aber auch mit großer Ernsthaftigkeit und Respekt gegenüber den literarischen Vorlagen. Bühnenbild, Kostüme, Plakate, Programmhefte – alles wird weitgehend in Eigenarbeit organisiert und das ohne einige einzige Mark an direkten öffentlichen Zuschüssen.
Wenn wir heute Abend „Undine“ von Jean Giraudoux spielen, so ist das einerseits eine Art Resümee von 25 Jahren Theaterarbeit in Ratingen. Denn begonnen hat es für uns mit Anouilh, einem französischen Autor, der stark von Giraudoux beeinflusst wurde. Andererseits ist aber auch diese Produktion wieder etwas ganz neues, spielen auch hier wieder Menschen mit, die erstmalig mit unserer Gruppe in Berührung kommen. Neben Ihnen stehen „alte Hasen“, die schon vielen Rollen – ernsten wie heiteren – ihr eigenes Profil gegeben haben.
Laienspiel in seiner idealen Form ist auch immer ein Stück Lernen. Wir sind keine fertigen Schauspieler, die mit ihrem „Handwerkszeug“ sich einer Rolle nähern. Wir haben unterschiedlichste Erfahrungshorizonte, sind bühnenerprobt oder Neulinge. Und doch steht als Ziel, Ihnen liebe Zuschauer eine geschlossene Leistung zu präsentieren, Ihnen einen Eindruck vom Zauber dieses Stückes zu geben, wie wir es in den vergangenen Wochen während der rund dreißig Proben immer intensiver erleben durften.
 

Undine
Schauspiel in drei Akten
Von Jean Giraudoux
 Eugenie
Andreas
Hans
Undine
Drei Nixen
 

Wasserkönigin
Hofmarschall
Theaterdirektorin
Robbendirektor
Dichter
Bertha
Bertram
Gräfin Violante
König
Königin
Fischerin
Fischer
Richterin
Richter
Hofdame
Page
Sängerin
Sänger
Magd
Hirt
Spülmagd

Carmen Metje
Ansgar van Treeck
Thomas Joppich
Annette Perschau
Anke Haupt
Tanja Maier
Daniela Krüll
Birgit Olligs
Thomas Uhr
Daniela Krüll
Hiltrud Köhne
Sascha Tuxhorn
Nicole Theyssen
Franz Schroers
Carmen Metje
Henning Hallmann
Anke Haupt
Daniela Krüll
Sascha Tuxhorn
Saskia Weilandt-Lentzen
Florian Uhr
Tanja Maier
Claudia Freund
Daniela Krüll
Herribert Börnichen
Tanja Maier
Herribert Börnichen
Hiltrud Köhne
****
Regie und Bühnenbild Jens D. Billerbeck
Ton Guido H. Bruck
Souffleuse Kerstin Freund
Kostüme Carmen Metje
  Kerstin Freund
  Claudia Freund

Spieldauer 3 ¼ Stunden. Pause nach dem 2. Akt (ca. 2 Stunden)

wir danken dem Stadthallen-Restaurant für die Überlassung der Stühle
 
 

Gedanken zu „Undine“

Vom wichtigsten Motiv des deutschen Romantikers, der Verwandlung eines launisch-sprunghaften Kobolds in eine züchtige, engelsmilde Hausfrau hat Giraudoux nichts übernommen: bei Fouque ist es so, dass Undine in der Hochzeitsnacht eine „Seele“ bekommt. Und als wahrhaft seelenlose entpuppt sich jene Bertalda, die bei Giraudoux Bertha heisst, die Menschenfrau also, der die Unschuld der Natur verloren gegangen ist. Die Welt der Wassergeister hat nach Fouque alles Schöne besessen, woran „die heutige sich zu freuen nicht mehr würdig ist“.
Dieses romantische Material hat Giraudoux in eine Allegorie umgewandelt, deren poetische Schleier nur leicht gelüftet zu werden brauchen, um einen unromantischen Sinngrund frei zu legen. Undine ist die Liebe. Sie ist die Liebe im Stadium der Reinheit, der Anmut, der Durchsichtigkeit, unvermischt durch die Bedingtheit des Menschlich-Allzumenschlichen. Diese Liebe liebt bis zur Blasphemie. Der Geliebte ist ihr Gott. Sie ist auch die Güte, und somit ist ihr selbst das Leiden um den Geliebten noch Glück. Alles, was Undine im dritten Akt auf sich nimmt, Lüge und Anklage, geschieht nur, um den Geliebten zu retten. So kann sie kein irdisches Wesen sein. Durch sie hindurch geht, unvermischt und daher uneingeschränkt, die Seele der Welt, die allgemeine Seele, die alle Natur durchweht. Im Gegensatz zu ihr besitzt der Mann, der Menschenmann, nur ein kleines, eingegrenztes Stück dieser allgemeinen Seele, und nur selten geschieht es, dass das große Brausen der allgemeinen Seele durch diese kleinen Seelchen hindurchweht. Es ist eine tiefe Erfindung des Dichters, dass dies dem dummen Hans angesichts des Todes geschieht. Wenn die Eitelkeiten der Welt hinfällig geworden sind, werden Männer seiner Art plötzlich „logisch“ wie die Pflanzen, wie die Wasser, wie Gott. Aber auch mit Undine hat sich etwas geändert. Nie mehr wird sie die alte Nixe sein können, da sie einmal versucht hat, einen Menschen auf dieser armen Erde glücklich zu machen. Ja, sie wurde durch diesen Versuch die menschlichste Frau, die es jemals gegeben hat, „denn sie war es aus freiem Willen“, aus freien Stücken.
So spinnt der Dichter die Fäden seiner Allegorie. Nichts daran ist wirkliches Geschehen. Aber in den erfundenen Zügen erkennen wir das Leben, wie es ist, die Menschen, wie sie sind, und das Wunderbare, das durch uns hindurchgeht, ohne dass wir es je ganz fest zu halten und bleibend zu verwirklichen vermöchten: die Liebe, die Güte, das Opfer.
Jean-Paul Sartre hat ein schönes Wort über Giraudoux gesagt: „Ein romanesques Universum erscheint und verführt uns durch seinen unerklärbaren Charme. Man nähert sich ihm und man entdeckt eine aristotelische Welt.“ Diese „Undine“ ist ein Beispiel dafür, wie ein Dichter das Material und das Instrumentarium der Romantik benützt, um die Wirklichkeit durchsichtig zu machen und uns zum Sinngrund unserer Daseins zu führen.
Siegfried Melchinger, Nachwort zu „Undine“, Reclam-Verlag, Stuttgart
 
 

Undine in Raum und Zeit

Wassergeister bevölkern die Mythen und Märchen der Menschen seit Urzeiten. Gerade in der Romantik begann der Stoff sich auch auf dem Theater in vielfältigen Bearbeitungen auszubreiten. Allein die romantische Erzählung „Undine“ von Friedrich de la Motte Fouque inspirierte eine ganze Reihe von Bühnenwerken: E.T.A. Hoffmanns Oper „Undine“, Albert Lortzings gleichnamige Oper und das heute zu sehende Schauspiel von Jean Giraudoux. Auch in Antonin Dvoraks Oper „Rusalka“ finden sich Undine-Motive, wie auch im 20. Jahrhundert in Hans-Werner Henzes „Melusine“.
Giraudoux, der eine Vorliebe für antike Stoffe hatte (sein Stück „Amphytrion 38“ nannte er so, weil er ironisch vermerken wollte, die wievielte Dramatisierung diese Version darstellte), griff schon mit seinem ersten Stück „Siegfried“ (nach seinem Roman „Siegfried et le Limousin“) auch ein Sujet auf, das seine tiefe Verbindungen zu allem Deutschen zeigt, das ein Plädoyer für die Versöhnung der beiden Nationen ist. In Undine wird diese Affinität des Autors zur deutschen Sagenwelt offensichtlich und in sanfter, poetischer Ironie präsentiert: Andreas und Eugenie, ein deutscher und ein französischer Name, Hans und Undine; der urdeutsche Ritter und das eher französisch anmutende Wasserwesen ergeben das äußere Spannungsfeld, das um so brisanter ist, als dass das Stück 1938 entstand und bis 1940 in Frankreich aufgeführt wurde.
Inhaltlich interessant ist Giraudoux Anspielung auf die Oper Lohengrin von Richard Wagner. Wagner, einer der bis heute einflussreichsten und umstrittensten Komponisten (und Bühnendichter!) des 19. Jahrhunderts, hat sich vieler mittelalterlicher Sagenstoffe bedient und deren spätromantische Rezeption mitgeprägt: Lohengrin, die Tannhäuser-Sage, das Nibelungenlied oder Wolfram von Eschenbachs Parsival-Epos. Alle diese Stoffe dienten ihm dabei nur als Ideenlieferant für eine ganz eigene Interpretation und einen sehr freien Umgang mit der überlieferten Vorlage.
Genau so verfährt Giraudoux: Er nutzt Fouques Vorlage als Ideensammlung und komponiert daraus ein eigenständiges Kunstwerk, das weit über das romantische Märchen hinausgeht. Das bewußte Lohengrin-Zitat beruht einerseits auf inhaltlichen Parallelen (s. Undine – Lohengrin – Isolde), andererseits sorgt es für historische Ambivalenz im Schauspiel. Denn spätestens im 2. Akt wird die zeitlich fixierte Erzählweise verlassen, spielt der Autor auch mit Zeit und Raum. Willkürlich lässt er die Wasserkönigin ( als Zauberkünstler getarnt) den Zeitablauf beschleunigen, hebt kausale Zusammenhänge und Zeitabläufe total auf. Die so inszenierten Begegnungen zwischen Hans und Bertha finden eigentlich erst nach dem Empfang beim König statt – zu einem Zeitpunkt, da Bertha längst verstoßen und auf Hans Burg gezogen ist. Doch solche „technischen“ Überlegungen zum Zeitablauf helfen nicht weiter, letztlich dienen alle Szenen der Charakterzeichnung der Figuren; am Ende des zweiten Aktes sind – wie auch immer – zehn Jahre vergangen, in denen sich alle erlebten Szenen irgendwann zugetragen haben.
Als ruhender Pol in diesem turbulenten Akt steht die große Schlüsselszene zwischen Undine und der Königin Isolde. Dies ist nur z.T. die Isolde Wagners. Nicht die hassende, zur Rache drängende und dann bis in den Tod liebende Frau, sondern die Weise, die Naturheilerin, die Menschen und Natur durchschauende Frau. Nur ihr, die Undines Wesen erkennt, kann diese sich öffnen und anvertrauen. Doch letztlich helfen kann diese Isolde ihr auch nicht.
Kurz darauf treibt Giraudoux sein Spiel mit der Zeit dann auf die Spitze: Nixe und Wasserkönigin zeigen im „Zwischenspiel“ bei Hofe Berthas wahre Herkunft als Tochter des Fischerpaares Eugenie und Andreas, gleichzeitig präsentiert ein Sängerpaar sich als Elsa und Lohengrin, den Protagonisten aus Wagners Mitte des 19. Jahrhunderts uraufgeführter letzter „romantischer Oper“. Diese Sänger sind Repräsentanten eines imaginären, sich romantisch gebärdenden Hoftheaters des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in dem Giraudoux diesen 2. Akt möglicherweise angesiedelt hat, sie müssen aber neben dem „wahren“ Geschehen - der Enthüllung von Berthas Herkunft - zwangsläufig zur Karrikatur verkommen.
Eine dramatische Konstruktion wie dieser 2. Akt ist nur auf dem Theater möglich – was Giraudoux im übrigen den Hofmarschall auch ausführlich erklären lässt – und das war uns Motivation, ihn auch sichtbar auf einem Theater spielen zu lassen, dem unsrigen nämlich, dem Ratinger Stadttheater.
Im 3. Akt gelingt Giraudoux übrigens noch ein ironischer Seitenhieb: Auf den Dämonenglauben des Mittelalters, die Furcht vor Wasser- und anderen Geistern, die sich in den beiden Richtern manifestiert. Die Ironie liegt darin, dass wir Betrachter des 21. Jahrhunderts wissen (oder zu wissen glauben) dass es Dämonen nicht gibt. Alles was im „finsteren“ Mittelalter als Hexe verbrannt ersäuft oder anders zu Tode gebracht wurde, waren Menschen, die entweder auffällig oder schlicht unliebsam waren. Kein Wunder also, dass diese Richter den Naturgeist, wenn er denn tatsächlich(!) vor ihnen steht, gar nicht erkennen können. So müssen sie zwangsläufig zu dem Urteil kommen, dass der Wassergeist das menschlichste Geschöpf überhaupt gewesen sei....
Und damit machen sie den Weg frei, für das endgültige Urteil der Wasserkönigin...

Jens D. Billerbeck

Undine – Lohengrin - Isolde

Undine und Lohengrin – was motiviert Jean Giraudoux, die Geschichte des liebenden Wassergeistes mit der des Schwanenritters (in Richard Wagners opernhafter Manifestation)  zu koppeln? Lohengrin ist wie Undine ein Fremder in der Welt der Menschen. Er bewahrt Elsa von Brabant vor der falschen Anschuldigung, ihren Bruder Gottfried ermordet zu haben. Im Gottesgericht besiegt er den Intriganten Friedrich von Telramund und gewinnt damit Elsas Liebe. Von dieser fordert Lohengrin, sie müsse bedingungslos sein: „Nie sollst Du mich befragen“. Elsa muss ihn lieben, ohne ihn nach seiner Herkunft zu fragen. Das geht nicht lange gut: Gezielt ausgestreute Gerüchte um eine zweifelhafte Herkunft des Schwanenritters tun das ihrige, und noch in der Hochzeitsnacht stellt Elsa die verhängnisvolle Frage. Lohengrin muss seinem Schwur folgen, und die zweifelnde  Gemahlin verlassen.
Auch hier liegt – wie in Undine – ein Pakt vor, der den handelnden Menschen unbekannt ist: Lohengrin muss die Menschen meiden, wenn seine Herkunft als Gralsritter erkannt wird. Undine verpfändet Hans‘ Leben dem Wasserkönig, sollte dieser ihr untreu werden. Und wie Lohengrin scheitert Undine letztlich daran, dass der Mensch nicht in der Lage ist, ein Ideal zu akzeptieren, ohne es zu hinterfragen, ohne es im wahrsten Sinne des Wortes „in Frage zu stellen.“
Die Liebesschwüre zwischen Elsa und Lohengrin, die Giraudoux in der Theaterszene des zweiten Aktes parallel zur Erläuterung von Berthas Herkunft stellt, gibt es in dieser Form in der gesamten Oper Lohengrin nicht. Sie passen inhaltlich und von der Diktion eher zu einem anderen, mittelalterlichen Schicksalspaar, das Giraudoux gleichfalls – wenn auch eher beiläufig – in Undine zitiert: Zu Tristan und Isolde.
Auch Motive dieser Wagner-Oper finden sich in Undine: Tristan, Neffe König Markes von Cornwall, erschlägt im Kampf den irischen Helden Morold und schickt zur Demütigung der Feinde dessen abgeschlagenes Haupt nach Irland. Tristan selbst, von Morold schwer verwundet, lässt sich auf See treiben, um Heilung zu finden. Es verschlägt ihn gleichfalls nach Irland und er wird unerkannt von Isolde, Morolds Geliebter, gepflegt. Als Isolde in Tristans Schwert eine Scharte entdeckt, die genau zu einem Splitter in Morolds Haupt passt, erkennt sie den Möder ihres Geliebten. Sie tritt mit dem Schwert vor Tristan, um ihn zu töten. Doch der Blick des Verwundeten weckt in ihr die Liebe zu Tristan, sie lässt das Schwert sinken.
Zurück in Cornwall soll Tristan seinem Onkel Marke eine königliche Braut werben: Die Wahl fällt auf Isolde. Tristan soll sie in Irland abholen und Marke zuführen. Auf dem Schiff fühlt sich Isolde verraten, sie will sich und den untreuen Geliebten mit einem Gifttrank umbringen. Doch Isoldes Dienerin vertauscht den Trank und beide erkennen im scheinbaren Tod erneut ihre Liebe. Marke muss sich daraufhin von Tristan verraten vorkommen und klagt diesen heftig an. Tristan sieht nur den Ausweg im Selbstmord, er stürzt sich in das Schwert eines Höflings. Schwer verwundet träumt er erneut von Isolde, der Heilerin, die schon Morolds Wunde kurierte. Sie erscheint im Augenblick seines Todes. Marke, der erkennt, wie es um Tristan und Isolde stand, verzichtet und beklagt die Tragödie. Isolde bleibt nur der Tod, in dem sie ihrem Geliebten folgt.
Verratene Liebe, das Vergessen einst geliebter Menschen, auch das findet sich in Undine: Hans vergisst Bertha, die sich von ihm verraten fühlt. Dass sie ihren einstigen Geliebten nach Undines Verschwinden wieder gewinnt, weiht Hans dem Tode. Und Undine liebt so selbstlos, dass sie um Hans zu schützen, eine eigene Schuld vorgibt, die den Pakt mit der Wasserkönigin brechen soll. Dass sie diese Hintergründe, ihre Verstrickung, ausgerechnet im Dialog mit der Königin Isolde erkennt, ist ein genialer Kunstgriff Giraudoux‘: denn Wagners Isolde ist beides: Verratene Geliebte (Bertha) und bedingungslos bis über den Tod (das Vergessen) hinaus Liebende (Undine).     jdb

Texte:

Undine: Ich heiße Undine
Hans: Ein schöner Name
Undine: Hans und Undine, es gibt keine schöneren Namen auf der Welt, nicht wahr? Immer geht Hans einen Schritt vor ihr her... Bei den Festlichkeiten....Beim König....Im Alter. Hans stirbt zuerst... Das ist furchtbar.... Aber Undine holt ihn rasch ein, sie tötet sich selbst. (Undine, 1. Akt)

Isolde: Doch unsere Liebe, heißt sie nicht Tristan und Isolde? (...)
Doch dieses Wörtlein: und - wär es zerstört, wie anders als mit Isoldes eignem Leben wär Tristan der Tod gegeben. (Tristan und Isolde, 2. Akt)
 

Hans: Es ist ein wahres Lebewohl. Wenn sich sonst zwei Liebende im Blick des Todes trennen, wissen sie schon, dass sie sich wiedersehen, im künftigen Leben sich finden ohne Ende, sich ohne Unterlass zur Seite sind, ohne Unterlass einander tief durchdringen – denn sie werden Schatten im gleichen Land sein. Sie haben sich getrennt, um sich nie zu trennen. Aber Undine und ich ziehen die Segel für immer nach getrennten Küsten auf, und ihr Ziel ist das Vergessen, meins das Nichts. Das muss man sich bewahren... Der erste Abschied, Undine, der seinen Namen treu verdient. (Undine, 3. Akt)

Tristan und Isolde: So stürben wir, um ungetrennt, ewig einig ohne End, ohn Erwachen, ohn Erbangen, namenlos in Lieb umfangen, ganz uns selbst gegeben, der Liebe nur zu leben! (Tristan und Isolde, 2. Akt)

Kritiken


Rheinische Post, Lokalteil Ratingen, 14.6.2002
Fotos von Aufführungen
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ã 2002 by VHS-Theatergruppe WIR, Fotos: Bruck, van Treeck