Theater WIR

Dulcie Dunlop Ladds:
Regenzeit
(We have our dreams)
Ein australisches Spiel in drei Akten
24.5.2000 20:00Uhr
26.5.2000 20:00Uhr
28.5.2000 11:00Uhr

Medienzentrum Ratingen
Eintritt 10 DM, ermäßigt  8 DM







Ankündigung


 "Ratinger Wochenblatt", 18.5.2000
Fotos von Proben
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Programm
Fotos von Aufführungen
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Kritik


"Westdeutsche Zeitung", Lokalteil Ratingen, 26.5.2000

In eigener Sache...

Seit unserer Aufführung von Sartres „Bei geschlossenen Türen“ im Lesecafe des Medienzentrums im Mai 1992 stellt sich uns bei jeder neuen Inszenierung die Frage, ob wir sie im Stadttheater Ratingen oder hier, im Lesecafe aufführen sollen. Für das Lesecafe spricht eindeutig die Intimität, die Nähe zwischen Zuschauer und Bühne, die ein ganz unmittelbares Theatererlebnis ermöglicht. Das Stadttheater trumpft dagegen mit seiner großen Bühne und der – trotz einiger Mängel – guten technischen Ausstattung auf. Deswegen kehrten wir nach Wilders „Wir sind noch einmal davongekommen“, das wir 1995 auch hier im Lesecafe aufführten, zunächst wieder ins Stadttheater zurück. Unsere Inszenierung zum20jährigen Bestehen, Camus „Der Belagerungszustand“ (1997) und in den folgenden Jahren die beiden Komödien „Der Kater oder wie man das Spiel spielt“ von Tankred Dorst und „Der Florentinerhut“ von Eugene Labiche brauchten die große Bühne. Jetzt aber ist es Zeit, wieder einmal ins Lesecafe zurückzukehren.
Eine Familiengeschichte, wie sie „Regenzeit“ im Prinzip darstellt, kann von der Nähe zum Publikum nur profitieren und die Tatsache, dass das ganze Stück in nur einem Bühnenbild spielt, kam unserer Überlegung entgegen.
Was Sie, liebe Zuschauer, nun heute sehen werden, ist wieder einmal das Ergebnis einer kurzen, aber intensiven Probenarbeit. Seit Anfang März haben wir in rund 25 Proben, z.T. in einzelnen Gruppen, meist aber mit dem ganzen Ensemble, die Charaktere dieses australischen Spiels erarbeitet. Dabei ist es immer wieder ein spannender Prozess, wie die einzelnen Personen Leben bekommen, wie ihre Gedanken und Motive zunächst den Darstellern immer klarer werden und dann auch entsprechend „über die Rampe“ gebracht werden können. Die Schwierigkeit, Menschen darzustellen, die eine Vergangenheit und eine Zukunft haben, die im Laufe des Stücks eine Entwicklung durchmachen, ist dabei auch der größte Reiz gewesen.
Es zeigte sich uns schnell, dass alle Probleme, die in „Regenzeit“ angesprochen werden, durchaus aktuell sind und uns auch heute etwas angehen. Die Epoche, in der das Stück spielt – Ende der 20er Jahre – und der Ort – eine abgelegene Bananenplantage – stehen stellvertretend für enge Moralvorstellungen bzw. für Abgeschiedenheit, eingesperrt sein und Einöde. Doch der Generationskonflikt würde auch heute - in anderer Form - genau so funktionieren. Nur wäre Tess dann vielleicht erst 17, die einsame Farm eine ebenso einsam machende Großstadtwohnung und so weiter und so fort. Auch die Begegnung Esthers mit ihrer Jugendliebe, die plötzlich die jahrelange Ehe mit John in Frage zu stellen droht, ist nicht an Ort und Zeit gebunden. Und das Geschwätz „wohlmeinender“ Nachbarinnen würde wohl auch heute noch genau so stattfinden, wie Sie es nachher auf der Bühne sehen werden.
„Regenzeit“ heißt im Original übrigens „We have our dreams“ und in der Tat geht es das ganze Stück über vor allem um Träume. Um die kleinen und großen Träume von Glück, Liebe, Reichtum, Erfolg, Karriere.... John, aus ärmlichen Verhältnissen in der Stadt stammend, hat sich mit der Bananenplantage Ridgelands seinen Traum erfüllt: Er hat ein Stück Land, eine gute Frau und drei Kinder. Esther dagegen hat ihre eigenen Träume denen ihres Mannes untergeordnet. Sie, die in der Stadt studiert hat und ein durchaus geselliges Leben führte, hat sich in der Einsamkeit nur mühselig eingefunden; die drei Kinder, Janet, Brent und Tessa, sind seit langem ein wesentlicher Teil ihres Lebens. Vor allem Tessa ähnelt der Mutter, hat hochfliegende Träume und empfindet das Dasein auf dem Land als Belastung. Auch Brent, der Talent zum Malen hat, kommt mit dem Leben als Farmer nur bedingt zu recht, doch ist für ihn die Loyalität mit der Familie höher zu bewerten, als die eigenen Wünsche. Und Janets Träume schließlich sind ganz die, die ihr Vater einst hatte: Ein Haus, ein Stück Land, eine Familie und ein Teeservice. Und so geht es praktisch bei allen handelnden Personen weiter: Die einen erfüllen ihre Träume, andere resignieren und wieder andere sind zufrieden mit ihrem Leben und mit ihrem kleinen Glück, das sie trotz aller Widrigkeiten irgendwann finden werden.

 Jens D. Billerbeck

Besetzung
Esther Bainton
 John Bainton
 Tessa Bainton
 Janet Bainton
 Brent Bainton
 Hattie Hicks
 Leila Nolan
 Mrs. Hicks
 Mrs. Brown
 Mrs. Tomkins
 Tony Gaydon
 Dr. Daile Craig
 Gerald Craig
 Joe Dolan

Regie
 Bühnenbild
 Souffleuse
 Licht und Ton
 Video

Anke Haupt
Gereon Becker
Nicole Theyssen
Carmen Metje
Jochen Hermanns
Daniela Krüll
Janina Pigaht
Hiltrud Köhne
Birgit Olligs
Saskia Weilandt
Thomas Joppich
Franz Schroers
Ansgar van Treeck
Henning Hallmann

Jens D. Billerbeck
WIR
Kerstin Freund
Guido H. Bruck
Thomas Kubik

Drei Akte (sechs Bilder), Pause nach dem dritten Bild
Spieldauer rund 2 ½ Stunden

Aufführungsrechte: Vertriebsstelle und Verlag Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten GmbH,
22844 Norderstedt










ã 2000 by VHS-Theatergruppe WIR, Fotos: van Treeck, Bruck